Willkommen auf LEGIONäRSKRANKHEIT.DE

legionärskrankheit.de bietet Ihnen weiterführende Links auf Webseiten zum Thema legionärskrankheit.

Startseite > Legionellose

Die '''Legionellose''' ist eine '' (vor allem der Serotyp 1). Weitere humanpathogene Legionellen sind Legionella micadei, L. bozmanii, L. dumoffii und L. longbeachae.

Es können mehrere Formen der Legionellose unterschieden werden. Die beiden wichtigsten Formen sind die '''Legionärskrankheit''', die durch eine von einer Tröpfcheninfektion hervorgerufene Lungenentzündung (Pneumonie) gekennzeichnet ist und unbehandelt einen lebensgefährlichen Verlauf annehmen kann, sowie das seltenere, ohne Lungenentzündung und meist mild verlaufende ''Pontiac-Fieber''. Legionellen können in seltenen Fällen auch Infektionen wie Wund-, Herzinnenhaut- ''(Endokarditiden)'' und Nierenbeckenentzündungen ''(Pyelonephritiden)'' verursachen.

Geschichte

Die ''Legionärskrankheit'' wurde 1976 zum ersten Mal beschrieben. Ihren Namen erhielt sie nach einem Treffen der US-Kriegsveteranenvereinigung American Legion, das vom 21. bis 24. Juli 1976 im Bellevue-Stratford-Hotel in Philadelphia stattfand. Damals waren 181 ältere Personen an einer Lungenentzündung lebensbedrohlich erkrankt. Sie alle waren entweder Besucher des Kriegsveteranentreffens oder Besucher des Hotels. Die Epidemie mit damals unbekannter Ursache alarmierte die amerikanischen Gesundheitsbehörden sowie die Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta, sodass die Krankheitsursache intensiv erforscht wurde. 1977 waren es Charles C. Shepard und Joseph E. McDade, die ''Legionella pneumophila'' als Erreger identifizieren konnten. Dieser hatte sich im Kühlwassersystem der vernachlässigten Klimaanlage des Hotels ansiedeln können. Nachträglich wurden einige andere Epidemien auf die Legionärskrankheit zurückgeführt, wie beispielsweise eine am St. Elisabeth?s Hospital in Washington, bei der 1965 acht Menschen starben.

Das ''Pontiac-Fieber'' wurde bereits im Jahre 1968 beschrieben. Die Erkrankung erhielt ihren Namen nach einem Ausbruch in der Stadt Pontiac in Michigan.

Ursachen für Legionellenprobleme

Eine erhöhte Koloniezahl im Trinkwasser beruht zumeist auf fehlender Wasserzirkulation<ref name="BenthamBroadbent2009">.</ref><ref name="PMID3654130">R. M. Vickers, V. L. Yu, S. S. Hanna, P. Muraca, W. Diven, N. Carmen, F. B. Taylor: ''Determinants of Legionella pneumophila contamination of water distribution systems: 15-hospital prospective study.'' In: ''Infection control : IC.'' Band 8, Nummer 9, September 1987, S.?357?363. PMID 3654130.</ref>

Meldepflicht

In Deutschland ist nach Infektionsschutzgesetz der direkte oder indirekte Nachweis einer akuten Infektion durch ''Legionella sp.'' durch das diagnostizierende Labor meldepflichtig. Seit 2001 werden meldepflichtige Erkrankungen vom Robert-Koch-Institut erfasst, das für das Jahr 2004 insgesamt 475 gemeldete Legionellosen angab. Die Zahlen zeigen einen steigenden Trend: 2012 registrierte das RKI 654 gesicherte Fälle, 2013 waren es 917; 2017 waren es 1282 Erkrankungen und 2018 1436 Infektionen. Zur Meldung angehalten ist der Leiter der Untersuchungsstelle, in der der Nachweis geführt wurde. Noch ist eine Verpflichtung nicht eindeutig bestimmt. Auf jeden Fall ratsam ist die Meldung, wenn zwei Personen mit möglichem Kontakt zur gleichen Quelle eine Legionellen-Infektion aufweisen.

Epidemiologie

Die Legionärskrankheit befällt als schwere Form der Lungenentzündung vor allem starke Raucher sowie Menschen, die an Immunsuppression oder Niereninsuffizienz leiden. Obwohl die Infektion in jedem Alter erfolgen kann, tritt die Erkrankung bevorzugt im mittleren Lebensalter auf. Männer erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Frauen.

Die Übertragung geschieht dabei nicht über Kontaktpersonen, sondern durch Einatmung der Legionellen. Da sich die Legionellen bevorzugt in warmem Wasser (Optimum bei 36?43?°C) vermehren, bergen insbesondere Schwimmbecken, Whirlpools, Klimaanlagen und Duschen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Bei der Infektion werden zerstäubte Wassertröpfchen zusammen mit den Legionellen eingeatmet (aerogener Übertragungsweg); auch eine unabsichtliche Einatmung von geschlucktem Wasser (Aspiration) ist möglich. In der Folge ist vor allem im Sommer epidemisches Auftreten möglich, aber auch in der restlichen Zeit sind Infektionen wie jene 1999 in Stede Broec (Niederlande) nicht ausgeschlossen.

Auf Reisen in Gebiete mit geringem Hygienestandard empfiehlt es sich, bei Bezug eines Hotelzimmers heißes Leitungswasser (Dusche/Waschbecken) für etwa 10?Minuten durchlaufen zu lassen. In dieser Zeit sollte man sich allerdings nicht in der Nähe aufhalten, um das Aerosol nicht einzuatmen.

Verbreitung in Deutschland

In Deutschland wurden 2011 639 (labordiagnostisch gesicherte) Fälle der Legionärskrankheit gemeldet. Von den bekannt gewordenen Krankheitsfällen mit Legionella-Pneumonie endete die Erkrankung bei vorher gesunden Menschen in etwa 10?15 % der Fälle tödlich, bei Menschen mit Immunschwäche und vorbestehenden Herz-/Lungenerkrankungen in bis zu 71 %. Bei der milden Verlaufsform des ''Pontiac-Fiebers'' ohne Lungenentzündung sind bisher keine Todesfälle bekannt.

Im August 2013 kam es in Warstein zum bislang schwersten Legionellose-Ausbruch in Deutschland durch Keime in Rückkühlwerken zweier Unternehmen. Bei 153 Erkrankten waren drei Todesfälle zu beklagen.

Eine CAPNETZ Studie rechnete 2005 aus ihren Ergebnissen 15?30.000 Legionella-Pneumonien (also 4 % aller Pneumonien) pro Jahr hoch und erwartete weiter bei einer 10 % Letalität 1500?3000 Todesfälle pro Jahr. Demzufolge würden trotz Meldepflicht über 96 % der Legionellosen nicht erkannt.

Legionelloseausbrüche und Verdachtsfälle (Auswahl)

{| class="wikitable sortable"
|-
! Jahr !! Ort !! Ursache !! Erkrankte !! Todesfälle
|-
| 1965 || Krankenhaus in Washington, D.C., USA || Bewässerungsanlage des Rasens || 81 || 14
|-
| 1968 || Gesundheitsamt in Pontiac, Michigan, USA || Klimaanlage || 95 || 0
|-
| 1976 || Bellevue-Stratford Hotel in Philadelphia, Pennsylvania, USA || Klimaanlage || 221 || 34
|-
| 1985 || Stafford District General Hospital in Stafford, Großbritannien || Klimaanlage || 101 || 28
|-
| 1987 || Gummifabrik in Armawir, Sowjetunion || Wassertanks || 236 || 3
|-
| 1999 || Blumenmesse (Westfriese Flora) in Bovenkarspel bei Stede Broec, Niederlande || zwei Whirlpools || 133 || 32
|-
| 1999 || FEDOBA-Fachmesse in Kapellen, Belgien || Whirlpool und Zierspringbrunnen || 43 || 5
|-
| 2000 || Melbourne Aquarium in Melbourne, Australien || Klimaanlage in einem Aquarium || 119 || 4
|-
| 2001 || SAS Atlantic Hotel in Stavanger, Norwegen || Klimaanlage || 28 || 7
|-
| 2001 || Stadtgebiet von Murcia, Spanien || Kühlturm eines Innenstadt-Krankenhauses,
Klimaanlage eines Kaufhauses || 449 || 6
|-
| 2002 || Bürgerzentrum in Barrow-in-Furness, Großbritannien || Klimaanlage || 87 || 7
|-
| 2003 || Klinikum Frankfurt (Oder) in Markendorf, Deutschland || Warmwasseranlage, falsch installiert || 5 || 2
|-
| 2003 || Raffinerie des Unternehmens Noroxo bei || 69 || 14
|-
| 2004 || Das Unternehmen Lidköpings Värmeverk in Lidköping, Schweden || Kühltürme || 32 || 2
|-
| 2005 || Ligninproduzent Borregaard in Sarpsborg, Norwegen || industrieller Gaswäscher || 56 || 10
|-
| 2005 || Pflegeheim ''Seven Oaks Home for the Aged'' in Toronto, Kanada || Kühlturm || 127 || 21
|-
| 2008 || Saint Peter?s University Hospital in New Brunswick, New Jersey, USA || Trinkwasser, zu wenig Chlor || 6 || 2
|-
| 2008 || Hotel ''Georgshöhe'' auf Norderney, Deutschland || fehlende Rückschlagventile in Wasserhähnen || 8 || 0
|-
| 2010 || Telekom-Gebäude nahe dem Ulmer Hauptbahnhof, Deutschland || Rückkühlwerk eines Blockheizkraftwerkes || 65 || 5
|-
| 2011 || .'' 12. Februar 2011 (englisch).</ref> || Whirlpool || 80 || 0
|-
| 2012 || AR Diamante Beach Hotel in .'' 7. Februar 2012 (englisch).</ref> || vermutlich Warmwassersystem || 13 || 3
|-
| 2012 || JW Marriott Hotel (Prime Group Inc.) in Chicago, Illinois, USA || Springbrunnen in der Lobby || 10 || 3
|-
| 2013 || Wesley Ridge Retirement Community ().</ref> || Kühlturm || 39 || 6
|-
| 2013 || Rückkühlwerk der Kläranlage in Warstein, Deutschland.
? Legionellose-Ausbruch in Warstein || Rückkühlwerk der Esser Werke || 165 || 2
|-
| 2014 || Jülich, Deutschland.
? Legionellose-Ausbruch in Jülich || vermutlich Kühltürme || 70<ref name="DN70"></ref>
|-
| 2014 || Vila Franca de Xira, Portugal || Kühlturm || 334 || 10
|-
| 2015 || Bremen, Deutschland || Unbekannt (Stand April 2019),
|-
|2015?2016
|Flint (Michigan), USA
|Trinkwasser, zu wenig Chlor
|87
|12
|-
|2019
|Bielefeld, Deutschland
|Unbekannt (Stand Oktober 2019)
|3
|2
|}

Erreger und Pathogenese

Der Erreger, der diese Erkrankung auslöst, ist ein im Süßwasser vorkommendes, stäbchenförmiges Bakterium. Die häufigste Spezies wird nach dem betroffenen Organ, der Lunge, ''Legionella pneumophila'' (''pneuma'' Atem, ''phil'' liebend) genannt. Am zweithäufigsten ist ''Legionella micdadei''.<ref name="Graevenitz">A. von Graevenitz: ''Die Familie der Legionllacaea - Legionellose.'' In: Henning Brandis, Gerhard Pulverer (Hrsg.): ''Lehrbuch der Medizinischen Mikrobiologie.''</ref>

Legionellen kommen natürlicherweise weltweit im Süßwasser vor, entscheidend für den krankmachenden Faktor ist die Menge der Erreger. Diese ist im normalen Umgebungswasser zu gering, aber unter günstigen Bedingungen können sich die Erreger explosionsartig vermehren, beispielsweise in Klimaanlagen.

In stehendem Wasser in haustechnischen Installationen (vor allem Klimaanlagen und wenig benutzten Wasserleitungen) mit Temperaturen zwischen 35 und 45?°C bestehen ideale Voraussetzungen für die Vermehrung des Erregers.<ref name="Graevenitz" /> Die Infektion erfolgt durch Einatmen von zerstäubtem Wasser, beispielsweise unter der Dusche oder aus einem Luftbefeuchter. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt geworden und gilt als unwahrscheinlich. Der Erreger ist insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich und befällt die Lungenbläschen (Alveolen).

Die Legionellen überleben in der Regel Temperaturen nicht, die dauerhaft über 60?°C oder kurzzeitig über 70?°C liegen. Durch vorübergehende Aufheizung des Wassers auf 70?°C, Einbau von Zirkulationsleitungen zur Vermeidung langer Stichstrecken, in denen sich das Warmwasser abkühlt, und aerosolarme Duschköpfe wird bei Neuinstallationen in Westeuropa der Infektionsgefahr entgegengewirkt.

Der Krankheitsverlauf wird durch virulenzassoziierte . PMID 23601102.</ref>

Der laborchemische Nachweis erfolgt am besten über einen Antigen-Nachweis im Urin (Goldstandard), der Test ist hierbei früh positiv. Der Nachweis kann jedoch auch über eine Sputumkultur erfolgen.

Klinisches Erscheinungsbild

Legionärskrankheit

Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen kommt es bei der Legionärskrankheit zu einem relativ raschen Krankheitsbeginn, meist aus völligem Wohlbefinden heraus. Die Symptome, mit der sich die Erkrankung präsentiert, sind unspezifisch und sehr variabel. Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung mit relativ hohem Fieber und Schüttelfrost (nicht selten werden Körpertemperaturen von über 40?°C erreicht), mit Muskelschmerzen (Myalgien), die vor allem im Bereich des Brustkorbs lokalisiert sind (Thoraxschmerz), sowie mit anfangs trockenem Reizhusten, der nach einigen Tagen in Husten mit mäßigem Auswurf übergehen kann. Der Auswurf kann blutig tingiert sein (Hämoptysen) und in Kombination mit Thoraxschmerzen leicht zur Fehldiagnose einer Lungenembolie führen. Darüber hinaus kann es zu Atemnot, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfällen sowie vielfältigen neurologischen Ausfallerscheinungen kommen.

Die Letalität bei vorher gesundem Personenkreis beträgt (unbehandelt) bei dieser Verlaufsform etwa 15 %. Bei Menschen mit Immunschwäche oder vorbestehenden Herz- und Lungenerkrankungen beträgt die Letalität bis 71 % (aufgrund des Alters damit auch bei den Mitgliedern des Veteranentreffens, die der Krankheit den Namen gaben).

Pontiac-Fieber

Der milde Krankheitsverlauf mit ''Legionella'' wird als ''Pontiac-Fieber'' bezeichnet. Benannt ist es nach dem Ort der ersten dokumentierten Epidemie, der Stadt Pontiac im US-Bundesstaat Michigan. Dabei treten leichte, grippeähnliche Symptome ohne Lungenentzündung auf. Bisher führte das Pontiac-Fieber in keinem bekannten Fall zum Tod.

Die Inkubationszeit beträgt nur 1?2 Tage.<ref name="Graevenitz" />

Therapie

Eine Legionellose muss antibiotisch behandelt werden, da die Erkrankung lebensbedrohlich sein kann. Lange Zeit galt .'' 56(1), 2008, S. 1?12. PMID 17980914</ref>

Literatur

  • M. Classen, V. Diehl, K. Kochsiek: ''Innere Medizin.'' 5. Auflage. Urban & Fischer, München 2006, ISBN 3-437-44405-0, S. 989?991.
  • Hans Curt Flemming u. a.: ''Erkenntnisse aus dem BMBF-Verbundprojekt ?Biofilme in der Trinkwasser-Installation?. Version 2.1.'' (PDF-Datei; 0,5?MB). (biofilm-hausinstallation.de)
  • Marianne Abele-Horn: ''Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten.'' Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 206f.
  • W. Köhler u. a.: ''Medizinische Mikrobiologie.'' 8. Auflage. Urban & Fischer, München/ Jena 2001, ISBN 3-437-41640-5, S. 354?355.
  • M. L. Pedro-Botet u. a.: ''Epidemiology and pathogenesis of Legionella infection.'' UpToDate v15.3, 2007.
    • ''Clinical manifestations and diagnosis of Legionella infection''. UpToDate v15.3.
    • ''Treatment and prevention of Legionella infection''. UpToDate v15.3.
  • J. E. Stout u. a.: ''Legionellosis.'' In: ''The New England Journal of Medicine.'' 337(10), 1997, S. 682?687. PMID 9278466.
  • D. W. Fraser, T. R. Tsai, W. Orenstein, W. E. Parkin, H. J. Beecham, R. G. Sharrar, J. Harris, G. F. Mallison, S. M. Martin, J. E. McDade, C. C. Shepard, P. S. Brachman: ''Legionnaires' disease: description of an epidemic of pneumonia.'' In: ''

Weblinks

Einzelnachweise